Nachts sind alle Katzen grau
Eine Videoinstallation mit statischen und bewegten Schatten
Trudelhaus Baden
2025
«Hans Trudel heute», eine Ausstellung zum Künstler Hans Trudel mit zeitgenössischen Interpretationen
Feigenblätter, verschiedene Materialien, Videoprojektion Loop 35.50 min
Ein Objekt aus Feigenblättern wirft einen formenreichen Schatten auf die Wand, während in einer Videoprojektion rotierende Feigenblätter flüchtige Schattenbilder erzeugen. In ihnen sind für kurze Momente ansatzweise Figuren lesbar. Zeitweise halten sie inne, eine Hand ergänzt die Formen zeichnend zu Wesen, dann verformt sich der Schatten weiter, die Zeichnung verblasst und wird von weiteren Schattenbildern überlagert. Die Zeichnungen sind – wie die Schatten – flüchtig: Sie sind mit Wasser auf eine spezielle Leinwand gemalt, erscheinen zunächst tiefschwarz, verblassen mit dem Trocknen und verschwinden ganz. Wesenhaftes erscheint und verschwindet wieder.
Die Arbeit kreist um das nächtliche Arbeiten: In der Dunkelheit wachsen Probleme, werden grösser und unübersichtlicher. Licht und Schatten strukturieren dabei nicht nur das Sehen, sondern auch das Denken.
Hans Trudel arbeitete tagsüber als Techniker bei der BBC, viele seiner Skizzen und Zeichnungen entstanden nachts. So auch ein Grossteil seiner Doppelwesen und Chimären. Die Nacht wurde zu einem Raum, in dem sich innere Bilder verdichteten.
Das Feigenblatt verweist auf ein Verbot: Trudel durfte seine Figuren nicht nackt darstellen. Das Blatt, ursprünglich zur Verhüllung gedacht, wird hier zum Träger von Projektionen.
Die Arbeit «Schattendasein» in derselben Ausstellung greift diese Thematik explizit auf.